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Steffi Jüngling 
analog um die Welt
 
Reisetagebuch 02/2004 
 
 
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  1.2.2004  
 

Meine Koffer sind wieder mal gepackt, meine japanische Habe befindet sich in der Uni und heute kann ich meine Nase wiedermal in den Fahrtwind halten... nach dem Frühstück verabschiede ich mich von der Gastfamilie, nach einem letzten Othello-Match (=Brettspiel), das ich wieder mal haushoch gegen Kokoro, die Tochter des Hauses verloren habe.

Ich fahre mit dem Bus zum Sprachkurs nach Nagoya, der übrigens auch, wie mein Einzelunterricht von Freiwilligen abgehalten wird. Nach eineinhalb Stunden, in denen mir meine übereifrigen Mitschüler, besonders der Indonesier zur rechten und der Nepalese zur Linken, die anscheinend nur laut oder gar nicht denken können tierisch auf den Geist gegangen waren (Kaffee oder Bier trinken macht mit ihnen sicher mehr Spass) hastete ich zum Bus nach Kyoto.

Also, ich weiss nicht Staedte sind für mich immer ein wenig, wie Liebesbeziehungen. Es funkt eben, oder es funkt nicht, dann gibt es 'funkende Freundschaften' und eben auch Orte, an denen nichts passiert (wie Nagoya...). Bei Kyoto gibt es auf jeden Fall auf den ersten Blick ein Kribbeln. Alt und neu gehen hier Hand in Hand und ich bin sofort DA. Es gibt hier neben dem Japan, wie man es sich vorstellt so ein leicht angestaubtes 50er Jahre Feeling, das ich ja immer anziehend finde und das mich hier gleich in den Bann schlägt.

Meine Jugendherberge liegt am nordöstlichen Ende von Kyoto und dort nehme ich zuallererst ein japanisches Bad; der Abend wurde abgerundet von meinem ersten GrünTeeEis-yummie, dass ich das nicht eher probiert habe! Und dann schlafe ich das erste mal seit längerem nicht mit Wollsocken, Jogginghose über der Pyjamahose und Pullover...

  2.2.2004 nach oben 
 

Wo ist der blaue japanische Himmel geblieben, an den ich mich so gewöhnt habe? Der Himmel ist grau in grau und ich beschließe, zuallererst zum Nijo-Castle zu gehen. Dieses Schloß war 1603 vom ersten Tokugawa Shogun Ieyasu erbaut worden.

Ich lese gerade das Buch 'Samurai Wilhelm', über den ersten Briten in Japan, der 1600 mit dem Schiff 'Liefde' in Japan gelandet war. Fünf Schiffe waren von den Niederlanden aufgebrochen und nach einer zweijährigen Seereise war nur die Liefde(=Liebe) in Japan, am Ziel ihrer Reise angekommen. Alle anderen Schiffe, bis auf eines, das auf halber Strecke nach Europa umgekehrt war, waren an die See verloren worden. Adam Williams, Pilot, oder Navigator übernahm gleich nach der Landung die Führung über die Crew und begann sich mit dem Shogum Ieyasu anzufreunden; schließlich wurde er zu dessen wichtigsten Vertrauten.

Also, ich war einigermassen gespannt auf das Schloß und stellte mir vor, wie es wohl auf einen Engländer im 16. Jahrhundert gewirkt haben mochte. Das Schloß war zur Macht und Prach-Demonstration erbaut worden; aber wie unterschiedlich die Vorstellung von Macht und Pracht in Europa und Japan waren. Im Schloß gab und gibt es keine Heizung, keine Möbel und außer die mit Tigern, Leoparden und Pflanzenmotiven bemalten Schiebetüren kaum Schmuck. Kleine Tische wurden mit den Mahlzeiten in die großen mit Tatami ausgelegten Räume gebracht... Die Betten-Futons wurden tagsüber in Wandschränken verstaut. Aber was für eine Ausstrahlung diese großen Säle haben! Die Dielenbretter der Korridore waren als 'nightingale floors' angelegt, das heißt, so präpariert, dass sie selbst bei vorsichtigsten Schritten quietschen und zwitschern, um ungebetene Gäste anzukündigen.

Danach machte ich mich auf den Weg zum Daitoku-ji Temple, eigentlich eine Anlage mit mehreren Tempeln verschiedener buddhistischer Schulen im Nordwesten Kyotos gelegen. Der Zen Tempel, den ich mir ansah, war 1502 angelegt worden. Die schlichten Stein- und Moosgärten haben mich ziemlich beeindruckt, besonders, da sie zum Teil sehr klein sind und vielleicht gerade wegen ihrer geringen Größe eine Ruhe und Sammlung ausströmen. Der Moosgarten in dieser Tempelanlage soll das Universum darstellen, das grüne Moos steht hier für das Meer und die Felsbrocken stehen für Berge. Ausserdem wir in dieser Anlage noch das älteste Gewehr in Japan gezeigt, ziemlich interessant, diese Verbindung aus Spiritualität und Geschichte.

Ich fand, dass ich genug gesehen hatte für diesen Tag und beschloß zu einem Cafe im Westen der Stadt zu fahren, wo ich dann auch meine Mails checken könnte. Auf dem Weg dorthin fuhr mein Bus aber an einem anderen Cafe vorbei, das mir empfohlen worden war und das ich auf meiner Karte nicht hatte ausfindig machen können ...also raus aus dem Bus und rein... ins Cafe. Eine angenehme Mischung aus Cafe, Restaurant, Gallerie, Buchladen und leider eher teurem Gästehaus. Der Kaffee war auch eher von der teuren Sorte, aber ich genoss das internationale Ambiente (www.prinz.jp) mit dem deutschen Namen.

Danach wollte ich aber immer noch meine Mails checken und so setzte ich meine Reise zum ursprünglichen Cafehaus fort. Und dort genehmigte ich mir einen 'pumpkin-pudding' (sehr lecker und falls jemand ein Rezept dafür hat - bitte an mich weiterleiten) und stöberte in dem Buchregal, in dem Besucher frei ihre Bücher austauschen können. Ich hatte zwar keines dabei und wollte auch kein weiteres Buch mitnehmen (hatte ich mir fest vorgenommen), aber dann erspähte ich im unteren Regal Kobo Abes 'Beyond the curve' und als ich es aufschlug, stellte sich heraus, dass es ein BookCrossing-Buch ist - hurra (mehr Info unter: www.BookCrossing.com). Ich fand die Idee ja schon immer gut, hatte aber irgendwie keine Zeit gefunden, mein Lieblingsbuch zur Teilnahme herauszusuchen - und jetzt hatte MICH ein Buch gefunden, so kam es mir zumindest vor. Ich fragte die Cafebesitzerinnen, ob ich das Buch mitnehmen könne, auch wenn ich keines zum Austausch hätte- und versprach, mit einem Tausch-Buch wiederzukommen...

Im Bus zu meiner Herberge las ich dann gleich die erste Geschichte, wie immer bei Kobo Abe, seltsam berührend. Wer noch nichts von ihm gelesen hat, dem sei 'die Frau in den Dünen' wärmstens empfohlen.

  3.2.2004  nach oben 
 

Zum Frühstück musste ich heute erst einmal 33 Sojabohnen essen, um eine Art kleinen Exorzismus zu betreiben. Sogabe-san hatte mich über den Brauch informiert. Man geht davon aus, dass in jedem Menschen ein kleiner Dämon sitzt, der an bestimmten Tagen - heute ausgetrieben werden muss. Glücklicherweise ist dies denkbar einfach, da die Dämonen keine Bohnen mögen und man sie durch das Essen einer Anzahl von Bohnen, die dem Alter entspricht vertreiben kann.

Ausserdem war heute moderne Kunst angesagt und ich machte mich auf die Suche nach dem Kyoto Arts Center, einem Kunst und Kulturzentrum im Herzen Kyotos, das in einem alten Schulgebäude untergebracht sein soll. In Kyoto ist die Suche nach einer Adresse für japanische Verhältnisse ausnahmsweise mal einfach, denn die meisten Strassen haben Namen - normalerweise sind in Japan alle Strassen durchnumeriert und, zumindest für mich verwirrend, bzw. Adressen sind nur schwer zu finden, wenn es sich nicht um größere Sehenswürdigkeiten handelt. Zum Teil ist pfadfinderisches Geschick gefragt, um zum gewünschten Ort zu gelangen und gerade in Tokyo ist meiner Vermutung nach die Hauptaufgabe der Polizei, die in kleinen police-boxes stationiert sind, Japanern und Ausländern den Weg zu weisen.

Also ich fand das Kulturzentrum und war begeistert von dem alten Schulgebäude aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Die Schulatmosphäre mit langen Gängen und Schulräumen mit Tafeln war erhalten worden, die Ausstellung war einigermassen interessant- und dann machte ich mich auf den Weg zur City University of Kyoto, die sich im Gegensatz zum Namen in einem Vortort befindet. Dort wollte ich zwei Studentinnen wiedertreffen, die ich in Tokyo kennengelernt hatte. Zum einen wollte ich mir die Uni ansehen und zum anderen ein paar Erkundigungen über Washi-Papiere einholen, da ich ja für eines meiner Projekte ein bestimmtes Papier herstellen möchte.

Die beiden holten mich an der Uni ab und zeigten mir ihre Hochschule. Die Klassenräume sind wie in jeder Kunsthochschule 'reich' bestückt, nur gibt es hier einen Bereich, den man mit Schuhen betritt und einen anderen, weitaus größeren, eine Art kleines Podest, mit Holzboden, das man ohne Schuhe betritt. Wenn man mehrere Räume betritt, zieht man seine Schuhe also ständig an und aus. Und wenn man die Schuhe der Japaner auf der Strasse genauer betrachtet, kann man sehen, dass der Fersenbereich oft abgetreten ist; manchmal habe ich auch den Verdacht, dass die Schuhe gleich eine Nummer größer gekauft werden, damit man schneller rein und rausschlüpfen kann... Ich wurde mit ein paar Adressen für mein Projekt bestückt. Yuri war gerade am Papierschöpfen und ich half ein wenig beim klein-Schnippeln der Fasern und dann machte ich mich auf die längere Rückreise.

In der Jugendherberge gabs dann erst mal das obligatorische Bad und später wurden im common room riesen-Sushis gedreht. Am heutigen Festival werden große Sushirollen gedreht und dann nach Westen gewandt gegessen, ohne dabei zu reden. Das soll Glück bringen. Zusätzlich zu den 33 Sojabohnen, die ich am Morgen ja bereits zum Setsubon Brauch gegessen hatte, um den inneren Dämon auszutreiben, fühle ich mich jetzt für alles Glück der Welt vorbereitet.

  4.2.2004 nach oben 
 


da atmet die Seele

Zwei Tempel standen heute auf meinem Programm und der erste, den ich besuchen wollte, war der Ryoanji Tempel mit dem berühmten Zen-Garten. Als ich am Garten ankam war gerade eine Klasse japanischer Schulkids dort, die lautstark die Felsen im Garten zählten. Ich setzte mich in die Sonne auf die alten, glatt-benutzten Holzdielen und dort blieb ich dann erst mal eine ganze Weile. Die Ruhe dieses Ortes ist unglaublich und dabei noch in den wärmenden Sonnenstrahlen sitzen zu können...

Der Tempel war ein ehemaliges Herrenhaus, das nach dem Tod des Erbauers in einen Tempel umgewandelt worden war. Die Offenheit der japanischen Häuser ist immer wieder beeindruckend. Die Räume können mit den Schiebetüren beliebig vergrößert und verkleinert werden, Ausblicke werden geschaffen... man fühlt sich nach einem Besuch richtiggehend gelüftet. Überhaupt überkommt mich immer wieder mal ein großes Glücksgefühl, Mannomann, ich bin wirklich HIER, in Japan! Das ist mein Leben und nicht irgendein Film, der gerade abläuft.

Guter Dinge machte ich mich dann auf den Weg zur Universität von Kyoto, wo eine Ausstellung von Zeichnungen Roland Barthes zu sehen ist und aß erst mal in der Mensa zu Mittag, was ziemlich lecker und gar nicht mensamäßig war.

Die Zeichnungen quasi zum Dessert waren nicht so interessant wie erwartet; Sie wurden irgendwie zu sehr wie Kunstwerke präsentiert und kaum kommentiert, ich meine bei Roland Barthes hätte man wenigstens ein paar Zitate mehr einflechten können, um die Skizzen als das zu zeigen, was sie in erster Linie sind: Gedankengänge zu Zeichen und Schrift.

Aber bei mir war die Lust am Zeichnen wieder geweckt und so wanderte ich zum nächsten Tempel: dem Ginkakuji, dem silbernen Tempel, der mir am Morgen noch per Email empfohlen worden war. Der Besitzer wollte das Äussere eigentlich versilbern, hat es dann aber doch nicht vervollständigt, aber der Tempel wurde nach dem Vorhaben benannt. Auch hier gab es einen Zen Garten und eine größere Gartenanlage mit besonders vielen Moosarten, die von Gärtnern gehegt und gefegt wurden. Ja, und eigentlich hätte es heute weiter nach Yamagata gehen sollen, zum Schneefestival, aber irgendwie hatte ich das Datum misverstanden und so buchte ich mich für eine weitere Nacht in meinem Hostel ein und konnte am Abend noch einen Myazaki Film mitansehen.

  5.2.2004 nach oben 
 

Was also tun an diesem mir geschenkten Tag? Habe meinen Reiseführer gewälzt, sowie meine Zimmernachbarin befragt und beschloß zunächst einmal einen Tempel, den Sanjusangendo mit 1001 Statuen anzusehen und dann nach mit dem Zug nach Inari zu fahren. Nein, nicht bis nach Finnland, sondern in den Vorort von Kyoto, wo sich ein wichtiger Schrein befindet.

Es herrschte richtiges Aprilwetter: die Sonne schien, dann bewölkte sich der Himmel, es schneite ein wenig und ein eisiger Wind fegte durch die Strassen, bis die Sonne wieder durchkam. Der Schrein in Inari und die unzähligen kleinen Schreine an dem Pfad durch die orangefarbenen Tore werden von Fuchsstatuen bewacht. Ich lief den Rundweg entlang durch das wechselnde Aprilwetter, vorbei an kleinen japanischen Gasthäusern-ein absolutes Highlight in Japan!


Kitsune

Abends traf ich dann Sogabe-san am Bahnhof, um gemeinsam nach Yamagata zu fahren. Wir überlegten, wie wir uns die drei Stunden bis zur Abfahrt unseres Nachtbusses nach Yamagata vertreiben könnten und beschlossen, in ein Mange-Cafe in Bahnhofsnähe zu gehen, wo man ins Internet gehen kann, Mangas lesen und dabei was trinken kann. Man mietet sich dort für eine gewisse Zeit ein und zahlt einen pauschalen Preis, mietet sich quasi ein und dann kann man dort lesen, mailen und dabei Kaffee, oder Softdrinks zu sich nehmen.

Wir mieteten zwei nebeneinander liegende Boxen... kleine Kaninchenställe, die mit plastikbeschichteten Sperholzplatten voneinander getrennt sind. Sehr seltsame Atmosphäre, aber ich sass auf einem bequemen Sessel im Warmen und konnte meine Mails beantworten ...bevor wir in den Nachtbus stiegen...

  6.2.2004 nach oben 
 

Nach einer langen Nacht im Bus bin ich im Schnee gelandet. Wow! Was für ein Schnee, hüfthoch, dazu ein strahlender Tag - wir kauften ein, holten ein Mietauto und fuhren in die Berge zum dem kleinen Mandala Snow Festival, an dem wir teilnehmen würden. Wir richteten uns im Futonlager ein und besichtigten erst einmal die verschneite Gegend...


Futonlager

  7.2.2004 nach oben 
 

Ich hatte mir für das Schnee-Festival eine kleine, eher symbolische Arbeit überlegt und wollte gehend 'An die Freude' in den Schnee schreiben. Und so zog ich los und wie eine kleine Dampflok stapfte ich durch den Oberschenkel-hohen, bzw tiefen Schnee. Ich schrieb die drei Worte über drei Reisfelder verteilt. Es war ein trüber Tag, und als ich mein Werk fotografieren wollte, musste ich feststellen, dass der grau verhangene Himmel (eine Seltenheit in Japan) keinerlei Schatten erlaubte uund so waren alle Bilder matschig und man erkannte überhaupt nichts. Hahaha, dachte ich, also eine wirklich konzeptionelle Arbeit, eben wie ein Lied, das quasi verschwunden ist, wenn man aufhört zu singen. Am Abend gab es dann die Eröffnung. Die Hauptteilnehmer am Festival sind die Schüler der ortsansässigen Schule und zwei Gruppen Studenten aus Toyota und Yamagata. Die Ergebnisse wurden stilvoll nach Sonnenuntergang mit Fackeln und einem Lagerfeuer in der Mitte präsentiert. Ziemlich beeindruckend war ein enges, wirkliches Labyrinth, das mit Fackeln beleuchtet war.


Labyrinth

  8.2.2004 nach oben 
 


An die Freude

Am Morgen wachte ich bei strahlend blauem Himmel auf und machte schnell noch ein paar Bilder von meinem bereits wieder leicht veschneitem Schneeschreibversuch und dann musste ich wieder meine Siebensachen packen und zurück ins Tal fahren, um den Bus nach Tokyo zu nehmen. Ich versorgte mich vor der Busfahrt noch schnell mit allerhand Leckereien und genoß danach die Fahrt, oder besser die Muße des 'nichts-tun-könnens', weil man ja unterwegs ist.

Die Ankunft in Tokyo stimmte mich fröhlich und ich machte mich auf den Weg zu Kathrin, wo ich mich für die nächsten 2 Nächte einnisten wollte. Kathrin war aber noch auf einer Eröffnung in ihrer Nähe und ich holte sie dort ab; eine kleine Galerie mit fast ausschließlich Ausländern, oder besser gesagt, nur der Besitzer und seine Frau waren Japaner ...bin also zurück im internationalen Kunstkontext...

  9.2.2004 nach oben 
 

...und vor allem, zurück in meiner Muttersprache. Kathrin und ich redeten wie die aufgedrehten Wasserhähne und ich glaube, wir redeten 2 Tage lang ohne Unterbrechung. Eine Art Sprachorgie, vor allem weil wir uns auch wirklich was zu sagen hatten über Kunst, Literatur und was man so Leben nennt...

  10.2.2004 nach oben 
 

...dementsprechend schwer konnte ich mich von ihr losreißen, aber ich zog ja nur um in vertrautes Terrain: Taito Ryokan in Asakusa, wo ich vor allem wegen der Ausstellung morgen sein wollte, die nämlich ganz in der Nachbarschaft in der ef Galerie eröffnet werden sollte; ich wollte nicht wieder ständig auf die Uhr sehen, von wegen, wann die letzte Bahn fährt.

Aber heute traf ich mich erst mal mit einem Japanologen, mit dem ich kulinarisches Neuland betrat und Seetrauben aus Okinawa versuchte. Also diese Seetrauben sahen aus wie von einer anderen Welt und hätten gut als Nahrung in Star-Trek gepasst: kleine leicht durchsichtige Stengelchen mit kleinen Noppen dran. Sieht eigentlich nicht wirklich essbar aus und ein bißchen nach Plastik, der Geschmack ist nicht so umwerfend, aber dieses Gebilde auf der Zunge-ein Traum!

  11.2.2004 nach oben 
 

Eigentlich wollte ich heute zum Recherchieren in eine Bibliothek gehen, aber heute ist der Tag der japanischen Verfassung und so muß ich auf Plan B zurückgreifen und der hieß: Papiermuseum. Da ich ja ein Projekt mit Washipapieren vorhabe, wollte ich sehen, ob das Museum irgendwelche interessanten Papiere oder Künstler zu bieten hätte, aber mal abgesehen von ein paar schönen Papieren war der Ausflug eher als nettes Schlendern zu verzeichnen.

Ein Bad in meinem Lieblingsonsen mit dem auf Kacheln gemalten Fuji im Hintergrund reinigte mich für die Eröffnung in der ef Galerie. Dort traf ich dann Leute von der anderen Eröffnung vor ein paar Tagen wieder und Izumi, die Betreiberin stellte mich netten Leuten vor, zum Beispiel der Neuseeländerin mit dem seltsamen namen Cushla. Eigentlich müßte ich nach meinem Aufenthalt in Japan mit dem schreiben anfangen: große, ausschweifende Romane schreiben, bei all den Leuten und Welten, die ich hier so treffe.

  12.2.2004 nach oben 
 

Die nächsten 3 Nächte würde ich bei Andreas und Chihiro wohnen und wir wollten uns den Vortrag des Gesprächskreises der deutschen Botschaft anhören. Dieser Gesprächskreis ist eine zweimonatliche Veranstaltung, bei der deutsche Wissenschaftler, Geschäftsleute etc. einen Vortrag zu ihrem Themenkreis halten und danach gibt es Bratwürste, Laugenbretzeln und Bier -natürlich. Andreas wollte sich den Vortrag anhören, um zu überlegen, dort selbst einen zu halten.

Diesmal ging es um Deutschunterricht für Japaner und Chihro dachte, dass sie vielleicht etwas darüber erfahren könnte, wie sie weiter an ihrem Deutsch arbeiten könnte. Man darf einfach nicht zuviel Ehrfurcht vor Vorträgen und Vortragenden haben, das merke ich immer wieder. Ein kleinwüchsiger Deutscher, der ging als steckte ihm ein Besen im Kreuz baute gewichtig seinen kleinen Computer für seine Powerpoint Präsentation auf. Er ist Deutschlehrer an verschiedenen Instituten in Japan und anstatt über Deutschunterricht allgemein zu reden, wollte er über das Thema 'Umwelt' im Deutschunterricht in Japan reden. Ok denkt man sich, aber bereits in seiner kurzen Einleitung erwähnte er, dass er irgendein Produkt in Japan vertreibt und setzte smart hinzu, dass er darüber aber an diesem Tage nicht reden wolle. Was er dann stattdessen tat war plaudern über die drei Ausflüge, die er mit seinen Studenten zu einem gewissen Regenwassermuseum unternommen hatte und zwei seiner Schüler hielten dann noch wie die Tanzbären auf dem Jahrmarkt kurze Vorträge auf Deutsch, wobei er deren Leistungsstand kommentierte, als wäre er Kleintierzüchter und mit seinen Kaninchen auf Leistungsschau... seine Schülerin sprach über die Hitzeinsel Tokyo (im Sommer um die dreissig tropischen Nächte) und ein Student hielt einen Vortrag über ein Auto, dass an seiner Uni entwickelt wurde und das mit einem Benzin und einem Elektromotor ausgestattet ist und über 300 fährt... (wen interessiert das... und was bitte hat das mit dem Umwelt-Thema zu tun). Im Abschluss wollte Andreas schon fragen, warum kein Auto erfunden würde, dass mit Regenwasser zu betreiben ist, liess es dann aber leider bleiben.

Die Bratwürste waren dann auch eher blass und nicht so gebraten, wie man es sich bei Bratwürsten vorstellt...aber es gab guten deutschen Senf und eine Mitarbeiterin der Botschaft zeigte uns noch den wirklich wunderschönen Botschaftsgarten. Im Nachinein erfuhr ich, dass das Niveau japanischer Vorträge, selbst an der Uni häufig ähnlich unfachlich und geradezu uninteressant ist, wie die Veranstaltung des Deutschlehrers... tja, es ist vielleicht nicht immer gut, sich anzupassen.

  13.2.2004 nach oben 
 

Ich war heute mit der Assistentin des Professors Kohmura in der Opera City in Tokyo verabredet, ein großer Gebäudekomplex mit mehreren kulturellen Einrichtungen unter einem Dach, unter anderem einem 'Institute for Intercommunication', das eine Ausstellung zeigte, die vom ZKM mitorganisiert worden war. Futur Cinema war der Name und ein paar interessante Arbeiten waren dabei, das meiste konnte allerdings unter der Rubrik digitale Leistungsschau ohne großen Inhalt eingestuft werden. Interessant war es trotzdem.

Danach traf ich mich mit Chihiro und ihrer Freundin, wir wollten zusammen ins Kino gehen und zwar ins koreanische Kulturinstitut. Auf dem Weg dahin wunderten wir uns schon über die mangelnde Strassenbeleuchtung auf unserer Strassenseite. Im Kulturinstitut stellte sich dann heraus, dass es einen Stromausfall im ganzen Häuserblock gibt. Alle setzten sich ruhig in die notbeleuchtete Lobby und warteten geduldig. Irgendwann, nach vielleicht 25 Minuten gab es wieder Licht, jemand war im Fahrstuhl eingeschlossen gewesen und wurde mit Klatschen begrüßt.
Der Film wurde auf Koreanisch gezeigt mit japanischen Untertiteln, aber irgendwie war klar, worum es ging und ich konnte der Handlung ganz gut folgen. Der Film spielte etwa Anfang der 90er, und die Halbstarken hatten Handys, in der Größe von Damenhandtäschchen bei sich...

Anschließend gingen wir noch lecker chinesisch essen, aber nicht so, wie mans aus Deutschland kennt, also kitschig und mit Goldfischen am Eingang, sondern sehr schick eingerichtet und superlecker... Andreas bestellte einen Jasmintee, der in einer Glaskanne serviert wurde, in die am Tisch eine kunstvoll gebundene Teeblume gegeben wurde, die dann auf wundersame Weise aufging. Der begeisterte Barkeeper erzählte, dass eine Teeblumenbindemeister etwa 20 Minuten zum Binden einer solchen Teeblume benötigen würde...

  14.2.2004 nach oben 
 

Morgens traf ich mich mit Nina auf einen Cafe in Shibuya und wir gingen zum Kaffeetrinken in einen seltsamen Musik- und Kaffee-Tempel. Das Cafe war etwa in den 50er Jahren eingerichtet worden und ähnelt einer Kirche, nur dass auf dem Altar riesige Boxen stehen aus denen klassische Musik in voller Lautstärke dröhnt. Es müffelt ein wenig, was mich an schottische Schlösser erinnerte.
Wir nahmen Platz und quatschten, bis ein Kellner uns höflich bat ein wenig leiser zu reden, erst da fiel uns auf, dass wir, um gegen die laute Musik anzukommen unser eigenes Volume ständig aufgedreht hatten.

Mittags ging ich mit Chihiro in den Mito Art Tower, um die aktuelle Ausstellung zu sehen. Junge Japanische Kunst, leider nicht so interessant, insbesondere da die erste Austellung in dem neuen Kunsttempel ja ziemlich gut gewesen war. Aber die Aussicht war wieder klasse und wir sassen im was weiss ich wievielten Stock, und schlürften Kaffee, während draussen die Sonne unter und die Lichter der Stadt angingen...

Abends bastelten wir unter der Kotatsu unter Andreas Anleitung Origami Kugeln, bzw. wir alle arbeiteten an einer Kugel in einer Art Origami- Disko-Papier. Ich bekam einen Bausatz der Kugel mit, und werde mir in den nächsten Tagen in Toyota die Finger beim zusammenstecken verknoten...

  15.2.2004 nach oben 
 

Also, der Shinkansen ist eine enttäuschende Angelegenheit. Ich war mächtig gespannt auf die Züge und stellte mir wunder was vor, aber, ja, was kann ich sagen. Alle Sitze gehen in Fahrtrichtung, keine netten 4er Sitze, wie im ICE, an denen man so schön schreiben kann. Und dann ist der Zug einfach relativ alt gewesen und unkomfortabler als die älteste Version des ICE. Aber gut, ich hatte einen Sitzplatz, brauste am Fuji vorbei und gelangte in 2 Stunden nach Nagoya, gerade rechtzeitig zu meinem Sprachkurs. Danach kaufte ich noch schnell im Conbinie=Convinient Store was zu Essen ein und fuhr nach Toyota.

In der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel habe ich mich den Japanern bereits angepasst, denn ich schlief ein und wachte genau eine Station vor meiner auf. Da am Sonntag kein Bus in meine Uni fährt, musste ich ein Taxi nehmen. Als ich Chukyo university sagte, fragte der Mann:
Tokyo university und ich dachte, mannomann die Japaner trauen den Ausländern ja auch alles zu, nein, nicht Tokyo, sondern Chukyo.

Ich kam am richtigen Ort an und bezog mein Zimmer für die nächsten knapp 4 Wochen. Eigenes Bad mit kleiner Wanne, kleiner Schreibtisch und zwei Betten, eines mit einem Wachstuch belegt und somit meine Ablage. Ich lief kurz die 200m zu meinem Unigebäude und besuchte meinen Arbeitsplatz, checkte Mails und suchte nach einer DVD, die ich mir im Bett noch reinziehen könnte; dann zurück in meine Höhle, wo ich mir erst mal Badewasser einliess und zum ersten Mal sein Monaten wieder ein deutsches Bad nahm: ich stieg ins Wasser, OHNE mich vorher gewaschen zu haben und kam mir dabei wie ein glückliches kleines Ferkelchen vor, das endlich wieder eine Matschpfütze gefunden hat.

Danach sah ich mir 'Bande a part' von Godard an und beschloß die Idee meines Professors Kohmura umzusetzen, nämlich einen Monat lang jeden Tag einen Film anzusehen...

  16.2.2004 nach oben 
 

So, heute war es soweit, ich wollte mich endlich offiziell anmelden, und da ich noch keinen eigenen festen Wohnsitz habe, wollte ich versuchen, mich im Gästehaus der Uni anzumelden. Als ich gerade in Toyota unterwegs war und das Rathaus suchte, traf ich meinen Toyoter Kaffeeberater auf der Strasse und wir gingen erst mal einen Kaffee trinken. Bei Rafu kam die Sprache wieder auf deutsche Musik und ich versprach, mal eine Auswahl zusammenzustellen. Da meinte Rafu, dass Nena ja echt gut wäre, aber die Japaner einen Schock bekommen hätten; er setzte gleich hinzu, einen positive Kulturschock. Aha, dachte ich, wesewegen denn... ja, weil Nena sich die Achselhaare nicht rasieren würde. Soso, Rafu soll mal abwarten, bis er meine Beine sieht, dachte ich bei mir und dass ich seit drei Wochen das Rasiermesser mit mir herumtrage und beschlossen hatte bis zum kurzer Rock-ohne-Strumpfhose-Wetter warten wollte...

Die Dame bei der Registrierung hatte einen umwerfenden fuchsienfarbenen Lippenstift aufgelegt und ich konnte mich ohne Probleme, aber mit eineinhalb stündiger Wartezeit registrieren lassen. Ich wohne jetzt offiziuell in der UNI. Abends stezte ich meine Filmreihe mit 'Chihiros Reise ins Zauberland' von Miyazaki fort.

  17.2.2004 nach oben 
 

Ich besitze ein Mobiltelefon! Das ich noch nicht richtig bedienen kann. Der Kauf hat ewig lange gedauert und ich fragte mich schon, ob ich neben dem Mobiltelefon vielleicht auch ein Haus erstanden habe ...ich musste dafür noch mal auf die Stadt gehen und dort ein weiteres Papier besorgen, das mich noch mal als mich auswies. Um Chihiros c-mail zu lesen musste ich eine Stunde auf meinem neuen Spielzeug herumtippen...

Den Abend verbrachte ich mit Amelie, leider nur in Filmform.

  18.2.2004 nach oben 
 

Tagsüber bastele ich an meinem Video, sowie an meinem entwicklungsbedürftigen Japanisch und abends gibt es den Film 'Cats&Dogs', eine Art Katzen und Hunde-Matrix.

  19.2.2004 nach oben 
 

Bei frühlingshaft lauem Wetter halte ich meinen Raumteilhaber von der Arbeit ab und wir testen ein 'Canadian Coffee-House', in der Nähe der Uni. Der Kaffee war gut und wurde von einem winzigen Baumkuchen und ein paar Nüssen begleitet; bei der schräg-heimeligen Athmosphäre mit sanfter Love-Story Musik hätte ein Filmemacher seine Freude gehabt...

Mein Videoprogramm wird mit dem 'Pianospieler' von Polanski fortgesetzt.

  22.2.2004 nach oben 
 

So, heute habe ich endlich entschieden, dass ich den Sprachkurs in Nagoya sausen lassse. Die Damen sind ja nett, aber es geht bei dem Kurs letztenendes nicht daurm, die Sprache zu lernen, sondern es wird der Lehrplan durchgeboxt, ob wir was verstehen oder nicht. Das heisst, da es ja 2 Schüler gibt, die bereits seit ca. 2 Jahren in Nagoya sind und schon einiges an Alltagsjapanisch intus haben, macht der jeweilige Lehrer eigentlich hauptsächlich Unterricht für diese beiden. Ich habe mich immer hervorgetan, zu fragen, wenn ich was nicht verstehe, aber ich komme mir schon langsam vor, wie ein Frageautomat.

Jedenfalls wars heute so nervtötend, dass mir nach 30 Minuten der Kopf rauchte und der Hals anschwoll... als ich mich danach mit Andre, einem Deutschen der in Toyota arbeitet und den ich in der vergangenen Woche auf der Post kennengelernt hatte auf einen Kaffee traf, stellte sich heraus, dass er denselben Kurs besucht und durchlitten hatte. Ja, wenn man sich mit jemandem darüber austauschen kann, wie schlecht man was findet, liegen die Konsequenzen doch gleich näher.

Wir gingen einen Kakao trinken mit Blick auf eine mit zwei Walfischen bemalte Hauswand... Abends machte ich mich wieder auf die odysseartige Heimreise zum Campus. Ich musste erst 30 Minuten mit dem Zug in irgendein Nest fahren, von dort in eine andere Bahn umsteigen, weitere 15 Minutenh fahren und dann noch 30 Minuten durch Wind und Wetter gehen. Als ich zuhause ankam war ich fertig mit der Welt, da half nur eins: baden...und als ich mir danach 'Apollo13' ansah und der Wind draußen ums Haus pfiff kam ich mir auch ein wenig wie in einem abgelegenen Raumschiff vor.

  23.2.2004 nach oben 
 

Lord of the rings I stand heute auf meinem Filmplan und ich sah ihn mir mit Ogasawara-san, meinem Arbeitsraum-Kollegen in unserem 'office' auf großem Bildschirm und mit guter Soundanlage an.

Irgendwann klopfte jemand im Kampfgetümmel der Orks an die Türe und wollte mal nachsehen, ob bei uns alles ok wäre. Ich hatte vergessen, wie lange der Film dauert (3 Strunden) und dass er gegen Ende doch beträchtliche Längen aufweißt. Fingertrommelnd möchte man manchen Heldentod beschleunigen...aber, irgendwie hat man beim Abspann das Gefühl, selbst ein wenig gekämpft zu haben (es war mittlerweile 12.30 nachts, also hatten wir bislang zumindest erfolgreich gegen den Schlaf gekämpft...).

  24.2.2004 nach oben 
 

Auf der Prioritätsliste meines Tages stand heute das Austesten meiner Videoprojektion. Also wurde mein Koffer mit weissen Klamotten bestückt und dann projizierte ich mein Video von der Reise hinein. Also, ich war vorher ja schon etwas aufgeregt gewesen. Man bastelt an seinen Arbeiten und stellt sich vor, wie sie aussehen werden, aber letztenendes weiss man's eben erst wenn man es ausprobiert hat und dann kann die ganze Arbeit ja auch noch mal umgeworfen werden, aber: ich war ziemlich begeistert ...und zufrieden ...muss zwar noch einige Änderungen vornehmen, aber im großen und ganzen steht die Arbeit, UFF.

Und so zufrieden sah ich mir abends mit meinem Kollege den zweiten Teil von Herr der Ringe an, aber diesmal begannen wir früher und waren mit Dosenbier bewaffnet.

  25.2.2004 nach oben 
 

people say, life is the thing, but I prefer fiction...

Man sagt, das Leben sei 'DIE' Sache, aber ich bevorzuge Fiktionen... Vielleicht verliere ich allerdings langsam wirklich ein wenig den Bezug zur Realität. Ich hatte völlig vergessen, dass ich für drei Nächte aus meinem Gästezimmer ausziehen muss, da es vor meiner Buchung bereits belegt gewesen war. Heute fiel mir das ein und morgen brauchte ich einen Schlafplatz. Ich hatte die Assistentin gefragt, bei der ich bereits manchnmal übernachtet hatte, wenn wir abends unterwegs gewesen waren, aber sie war gerade mitten in einer wichtigen Bewerbung und es war offensichtlich, dass sie sich ganz darauf konzentrieren musste. Hm, ich suchte im Netz nach günstigen Übernachtungsmöglichkeiten in Nagoya, konnte mich aber nicht entscheiden und brauchte einen Ratgeber.

Also mailte ich kurzerhand an meine Postbekanntschaft Andre, der mir spontan anbot, dass ich ja bei ihm übernachten könne. Mir kullerten ein paar Steine vom Herzen, denn ich sah mich schon in einer auf den Fotos bunkerartigen Jugendherbergen hausen. Und ausserdem hatten wir uns ja am Sonntag davor schon darüber unterhalten, an diesem Wochenende vielleicht wandern zu gehen.

Ich war also gut gelaunt und vorbereitet für den Ausflug gemeinsam mit meiner Japansichlehrerin, die mir nämlich ein Keramikmuseum in Seto, 30km von Toyota zeigen wollte. Sie holte mich in der Uni ab und dann fuhren wir dorthin. Das Museum entpuppte sich als Riesenanlage im Stile der 70er. Highlight des Ausfluges war eine Miniteezeremonie, für die man sich eine Teetasse aussuchen konnte, die von Töpfern gemacht worden waren, die in diesem Monat Geburtstag hatten. Davor gab es eine japanische Süßigkeit, alles zügig und schnörkellos...


Keramik-Kissen
so wie man sich bettet, so...

Wieder zurück in der Uni checkte ich mit meier Leherein noch die letzten Busse von Campus zur U-Bahnstation; wir machten noch ein wenig Japanisch und dann wollte ich den vorletzten Bus nehmen, um zur U-Bahn nach Nagoya zu kommen. Ich stand an der Haltestelle, es kam auch ein Bus, aber der Busfahrer sah mich erstaunt an - ja, ich hatte den falschen Plan betrachtet, jetzt seien Ferien und der letzte Bus sei schon weg.

Mist. Was tun?

Wenn ich zur Station laufe, dann muss ich die andere Bahn nehmen und wäre noch gute 1 3/4 Stunden unterwegs, bis ich in meinem neuen temporären zuhause bei Andre ankommen würde ...irgendwann um 23h... der Busfahrer betrachtete mich und meinte dann, ich solle 10 Minuten warten, er müsse den Bus noch aufräumen und würde mich dann mit seinem Auto zur Station fahren (die Strecke, die er ja den ganzen Tag schon weiss der Herr wie oft zurückgelegt hatte). Ich war erleichtert und bei Country-Musik hatten wir in seinem Auto eine nette Unterhaltung ...und dann landete ich bei Andre, der eine wunderbare, großzügige Wohnung hat. Ja, da konnte ich gut ein paar Tage zweibeiniges Haustier spielen. Abends setzten wir meine 'a film a day'- Reihe mit deutschen Kurzfilmen fort.

  27.2.2004 nach oben 
 

Seit Tagen wartete ich bereits auf ein Paket meiner Eltern und war immer wieder unruhig um den Postraum gestrichen, für den ich ja eigentlich kein Zugangsrecht habe. Aber: heute morgen stand die Türe offen und was sah ich auf dem Regal stehen?

Ein gelbes Paket! Das ist meins, ich wusste es gleich. So war es auch und so nahm ich mit in meinen Arbeitsraum und packte erst mal aus. Meine Ma hatte alles extra in Seidenpapier verpackt und ich fühlte mich wie an Weihnachten; nach 20 Minuten sass ich glücklich in einem bunten Papierhaufen. Und was nicht alles in dem Papier war: ein weisses T-Shirt, das ich gleich in meine Kofferinstallation integrieren konnte und worüber ich mich besonders freute: zwei DV-Bänder mit Filmmaterial aus Venedig, das ich endlich schneiden wollte.

Ich begann auch quasi postwendend und stellte die kleine Videoarbeit, die mir bereits seit Monaten durch den Kopf geisterte in drei Stunden fertig. Hurra.

  28.2.2004 nach oben 
 


na dann Prost!

Eigentlich wollten Andre und ich uns heute ja eine Dürer Ausstellung ansehen, aber irgendwie wurden wir beim Radeln durch Nagoya von unserem Vorhaben abgeleitet und so bummelten wir durch mir unbekannte Flecken Nagoyas und ich konnte einige Punkte auf meiner entwicklungsbedürftigen plus-Liste für Nagoya vermerken.

Ein Cafe 'Liebe', buntes Treiben in Marktviertel ...ein anderes Viertel mit kleinen Spezialitätengeschäften, wo ich einen Teeladen fand, der Teeblumen verkaufte, also zu Blumen gebundene Teeblätter, die in der Tasse aufgehen...

Abgerundet wurde der Tag mit dem Film 'Zugvögel', einmal nach Inari, diesmal aber nicht bei Kyoto, sondern in Finnland.

  29.2.2004 nach oben 
 

Der Sonntag begann ganz nach meinem Geschmack ...eigentlich war eine Wanderung des Hiking Clubs geplant, aber gleich nach dem Wecker hörte ich den Regen gegen das Fenster prasseln und drehte mich zufrienden in den Federn um.

Es wurde ein ruhiger Tag mit Quatschen, Einkaufen, Kochen und dann kam Andres Bekannte Yukie. Ich hatte eine kleine Japanerin erwartet, aber dann kam Yukie, groß, mit offenen wallenden Haaran und wir redeten wie aufgezogen; sie hatte Sport an meiner Uni studiert, liebte Fußball und wollte mal Profifußballerin werden...


Wo gehts hier nachause?

   
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  ©2004 Steffi Jüngling